Donnerstag, 15. August 2013

Tag 21: Die Zeit wird knapp!

Gestern noch hatte ich dem Käufer meines heißgeliebten Mini Cooper Cabrio erneut eine e-mail geschrieben und wollte ihn heut Morgen beim Frühstück grad anrufen, als Markus schwedische Nummer klingelte. Es war Adrian Press, der Kinderarzt, der im März mit meinem süßen kleinen Auto auf und davon gefahren war. Er und seine Familie waren dieses Wochenende nicht zu Hause, würden aber (spät) abends zurückkommen und nach dem Dienst morgen hätte er ab 15h Zeit, bei schönem Wetter bot er an, uns mit seinem Motorboot auf dem Mälarsee herumzuschippern und empfahl uns, nach Mariefred auf den Campingplatz mit Blick auf Schloß Gripsholm zu fahren. Heute stand uns ja beim Zusammenpacken noch die besondere Herausforderung bevor, das mühsam unter widrigen Bedingungen errichtete Vorzelt wieder abzubauen und in ein ähnliches Ausgangsvolumen wie vorher zu bringen, damit es auch wieder in die Tasche hineinpaßte. Das klappte erstaunlich gut, vermutlich, weil die Anpressstangen fehlten und daher keinen Platz beanspruchten. Die Auscheckzeit von 15h, die so enorm entspannt klingt, kann erstaunlich knapp werden, wenn man sich tatsächlich so verhält, als hätte man alle Zeit der Welt. Wir machten nach dem Frühstück erst mal einen Spaziergang zum Mälarsee, der sich ja von Stockholm aus weit ins Landesinnere zieht. Nach wenigen hundert Metern Marsch durch den lichten Wald tauchte ein schöner Strand auf, auf dem Wasser flitzten Boote und Yachten unterschiedlicher Größe und Eleganz dahin und obendrein gab es einen Kinder- und einen Männerspielplatz. Auf den ersten Blick sah die Freiluft-Muckibude einem Spielplatz erstaunlich ähnlich und bei längerer Überlegung gibt es ja doch auch die eine oder andere Übereinstimmung finde ich. Luzia gab für Markus den Personal Trainer und wies ihn recht bestimmt an, sich an die bebilderte Trainingsanleitung zu halten „Papa schau, wie auf dem Bild"! Und dann rollten wir kurz nach 15h aus Bredäng los mit Kurs auf das nicht weit entfernte Mariefred mit Schloß Gripsholm, das Kurt Tucholsky, der hier begraben ist, in seinem gleichnamigen Buch beschrieben hat. Ich fing schon auf der Fahrt an zu überlegen, ob wir die Zeit wirklich investieren sollen und bis morgen auf mein Date mit dem Mini warten sollten oder lieber weiterfahren und nach hinten hinaus Zeit für Malmö sparen. Als wir dann auf dem Besucherparkplatz des Campingplatzes in Mariefred standen tagte der Familienrat und wir entschieden tatsächlich, der Familie Press abzusagen und stattdessen Kurs auf den Vänern See zu nehmen. Beim Rückrechnen der verbleibenden Tage kam plötzlich Panik auf, dass wir nicht mehr genug Zeit für all das haben könnten, was wir noch sehen und tun wollten. Schade fand ich es schon, hätte ich doch gerne meinen Kleinen mit schwedischen Kennzeichen gesehen! Ich rief Herrn Press also noch mal an und besprach dann ausführlich seine Mailbox und bedankte mich nochmals für sein nettes Angebot, uns herumzukutschieren. Mit Kurs auf Schwedens größten See verbrachten wir den Rest des Tages auf der Straße, ich checkte in unserer mittlerweile ganz schön abgegriffenen Campingzeitschrift geeignete Übernachtungsmöglichkeiten und versuchte, die Vorauswahl über Bewertungen im Internet zu bestätigen. Ein kurzer Anruf in Hällekies auf dem Kinnekulle Campingplatz und wir wußten, wo wir schlafen würden. Direkt am Vänern lag dieser Platz, wir kamen in der Abenddämmerung an, gerade noch rechtzeitig, um einen Eindruck von der Landschaft zu gewinnen. Dieser See wirkte wie das Meer! Die Rezeption war nicht mehr besetzt, aber als ich suchend um ein beleuchtetes Haus herumschlich, kam der Campingplatzbesitzer heraus und öffnete die Rezeption nochmal. Und wieder einmal gab es neue Gimmicks, diesmal eine extra Karte, um die Schranke zu öffnen und einen Chip, der in den auch noch extra abgesperrten Elektrokasten eingehängt wird und erst dafür sorgt, dass man Strom hat. Darüber hinaus musste Markus noch eine Punktlandung mit dem rechten Radl des Wohnwagens bewerkstelligen, dieses Rad sollte nämlich exakt auf eine im Boden eingelassene rote Platte gestellt werden. Die Duschen funkionieren hier auch mit Karte, warmes Wasser gibt es 2 Kronen weise, es läuft 1.5 Minuten, dann muss man wieder investieren. Jetzt haben wir schon alles von 1.5 Minuten bis zu endlos heißes Wasser zum Nulltarif erlebt. Ausnahmsweise durfte ich mit den Kindern schon in den Wagen rein, obwohl die Stützen noch nicht rausgekurbelt waren. Es war schon spät und ich sah zu, dass ich die Brut ins Bett verfrachtete und uns gleich dazu, heute blieb auch ich nicht mehr auf zum Tagebuch schreiben sondern fiel todmüde ins Bett.

1 Kommentar:

  1. Da warst nicht nur Du todmüde - der Ferdi offensichtlich auch, sehr niedliches Bild!

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