Dienstag, 6. August 2013

Tag 16: Auf zu Marie

Zunächst mal wurde Markus heut morgen der Zutritt zur Toilette verwehrt, seine Karte funktionierte nicht mehr. Vermutlich war sie auf nur eine Nacht programmiert worden, da wir uns erstkurzfristig für zwei Nächte entschieden hatten. Tja, das sind die Tücken des 4-Sterne Campens...Ein weiteres unterhaltsames Event des Tages war, mit Luzi das stille Örtchen zu besuchen. Wie auch immer sie vorher drauf war, Quasselstrippe oder eher ruhig, sobald sie die gekachelten hallenden Hallen erreichte,sprudelten die Worte aus ihr nur so heraus, und das in einer Lautstärke, die nicht nur die Insassen des nächsten Häusls mitbekommen mussten. In welcher Sprache sie sich allerdings ausdrückte war mehr als unklar, ein mir bekannter Dialekt war das jedenfalls nicht. Vermutlich hat sie, da an solchen belebten Orten doch meist Schwedisch zu hören war und obendrein das schwedische Radio lief, ihr eigenes Schwedisch erfunden und fleißig geübt.

Wir brachen vollkommen routiniert unsere Zelte ab und rollten Punkt 12h vom Platz, nachdem wir ein weiteres sonniges Frühstück mit – lässt man mal die Parkplatzatmosphäre außer Acht – schönem Blick auf den Bråviken genossen hatten. Unser Weg führte wieder zurück Richtung Nordwesten, diesmal nach Örebro. Wir kamen recht früh am Nachmittag an, machten uns digital schlau, wo das nächste Einkaufszentrum liegt und fuhren dann in ein ganz anderes Gewerbegebiet, das wir mit eigenen Augen einfach so, quasi analog, entdeckt hatten. Ich hatte vor einiger Zeit gelernt, daß es für Kinder bis ca. 4 Jahre empfehlenswert ist, im Auto gegen die Fahrtrichtung befördert zu werden. Das liegt vor allem am im Vergleich zum Körper großen Kopf, den die Halsmuskulatur bei einem Aufprall nicht immer ohne Verletzung abfangen kann. In Schweden fahren seit vielen Jahren fast alle Kinder in sogenannten Reboardern und die wenigen dieser Sitze, die es bisher in Deutschland gibt, werden zum Teil aus Schweden importiert. Ich wollt mal schaun, ov wir evtl. ein Schnäppchen machen können,  wenn wir vor Ort kaufen. In einem Babyladen bekamen wir zumindest Infomaterial und konnten einige wenige Sitze anschauen. Noch ein, zwei Läden durchstöbert und schon hatte der Kühlschrank die Autobatterie leergesaugt und wir mussten erst mal einen freundlichen Schweden um Starthilfe bitten.

Luzi führt hier im Maxi Cosi schon mal
ihre Reboarder-Position vor.
Luzi verteidigt ihr tägliches Eis

Am Abend fuhren wir zu Marie, die im Frühjahr des vergangenen Jahres mit ihrer Familie hierher gezogen bzw. zurückgekehrt ist, sie stammt hier aus der Gegend. Marie war 1994 aus Schweden nach München gekommen und hatte dort wie ich im Disney Store gejobbt. Wir waren beide bis zur Schließung des Ladens im Jahr 2000 dort beschäftigt und auch danach haben wir uns ab und an mal auf einer Feier getroffen. Sie hat in München ihren schwedischen Mann Mats kennen gelernt, sie haben dort ihre beiden Töchter Florence und Stella bekommen und nach 17 (Marie) bzw. 14 (Mats) Jahren beschlossen sie, in ihre Heimat zurück zu kehren. Anfang Juni sind sie in Örebro in ein eigenes Haus gezogen, haben seit ein paar Wochen zwei junge Katzendamen, einen schönen großen Garten, in den wir unseren Wohnwagen stellen, eine große Waschküche, in der wir unsere Wäsche waschen und eine gemütliche Terrasse, an deren Tisch wir uns setzen durften. Es war sooo schön, Marie und ihre Familie wieder zu sehen! Florence und Luzia verschwanden schon nach kurzer Zeit zusammen in Florences Zimmer und spielten ganz wunderbar miteinander. Witzig war zu beobachten, wie sie kommunizierten. Florence war 2.5 Jahre, als sie nach Schweden umzog. Sie konnte bis dahin Deutsch und Schwedisch sprechen, hat nun, mit knapp 4 Jahren, aber schon lange kein Deutsch mehr geredet. Verstehen kann sie es und nach einer Weile hat sie sich auch wieder getraut, ein paar Worte zu sagen. Für sie ist es allerdings völlig normal und logisch gewesen, auf Schwedisch zu antworten, auch wenn sie auf Deutsch angesprochen wurde. So antwortete sie auch Luzia auf Schwedisch, und Luzi fing daraufhin an, ihr Kauderwelsch auszupacken. Herrlich!!! Das tat dem gemeinsamen Spiel überhaupt keinen Abbruch, die Beiden kamen bestens miteinander klar.
Ein wunderbares  Bild ergab sich auch, als die Kinder für eine Weile mit einer DVD ruhig gestellt wurden. Pippi Langstrumpf, sogar die deutsche Version. Im Nullkommanichts saßen drei blonde Mädels und Markus gebannt auf dem Sofa!
Wir wurden herrlich bekocht (BBQ und als Dessert schwedischer Käsekuchen mit Marmelade und Sahne), Rotwein und Willi flossen in Strömen und Marie mußte sich zwingen, einigermaßen rechtzeitig ins Bett zu gehen, da sie kurz nach 6h das Haus verlassen muß um zur Arbeit zu fahren. Wir saßen noch etwas länger mit Mats auf der Veranda, er übernimmt derzeit die Kindergarteneingewöhnung der Mädels und ist zu Hause, arbeitet auch von dort. Es war schnell beschlossene Sache, daß wir zwei Nächte bleiben würden!

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