Marie und Mats hatten uns ein paar hübsche Stellen im nördlichen Westschweden genannt. Sie selber waren dieses Jahr in Smögen gewesen, hatten aber auch Lysekil genannt, das unser heutiges Ziel wurde. Wir brachen nicht allzu spät auf, nachdem wir wieder einen kleinen Morgenspaziergang absolviert hatten bzw. eher eine Klettertour zum auf dem Campingplatz gelegenen Leuchtturm. Der Weg dahin führte über Felsbrocken und angesichts des Windes, der vom See her fegte, gab es schon die eine oder andere Situation, in der man sich genau überlegen musste, wohin der nächste Schritt gehen sollte, v.a. mit Kind an der Hand. Luzi kletterte zweimal, erst mit mir und dann noch mal mit Markus. Kurz danach begann es zu regnen, der Startschuß zum Aufbrechen. Das Wetter klarte bald wieder auf und bei schönstem Sonnenschein setzten wir auf einer Autofähre über nach Lysekil, eine Halbinsel im Schärengürtel Westschwedens. Auch hier hatten wir den angepeilten Campingplatz kurz noch angerufen, aber die Hauptsaison scheint weitgehend vorbei zu sein, es ist nirgendwo ein Problem, einen Stellplatz zu bekommen. Die Landschaft hier ist wunderschön, das hatte sich schon seitdem wir in Meeresnähe gekommen waren abgezeichnet. Glattgeschliffene Felsen, Meer, ein heute recht starker Wind (der Campingplatz warb mit geschützter Lage zwischen zwei Bergen, wir mutmaßten eher, dass das Tal zwischen den Bergen den Wind noch beschleunigte) und das glitzernde Meer mit den Schären. Wir wählten einen Stellplatz in Strandnähe, für eine Nacht konnten wir mit dem Gefühl, im Wohnwagen ausreichend Windstärke zum Indoor-surfen zu haben, leben. Es pfiff ganz schön um den Wohnwagen herum, aber es war herrlich, das Wasser aus dem Fenster zu sehen. So schnell wie möglich machten wir uns bereit, eine Runde den Strand entlang zu drehen und ein wenig auf den Felsen herumzuklettern. Luzi futterte Brombeeren, ich sammelte ein paar Muscheln, wir entdeckten irgendwann die erste Qualle von vielen und bewunderten, wie sie durchs Wasser schwebte. Und die ganze Zeit wurden wir ordentlich durchgepustet! Herrlich!!! An draußen essen war allerdings nicht zu denken, es sah schon immer abenteuerlich aus, wenn unsere Wohnmobilnachbarn ihre vier Wände zum rauchen verließen. Mit Frisur war nach einem auch kurzen Aufenthalt im Freien nix mehr zu wollen und der Kakadu namens Schneewittchen, den sie dabei hatten, wurde ebenfalls so zerzaust, dass er nörgelig wurde und dann auch keinen Nerv mehr auf fremde Leute hatte, die sich ihm nähern wollten. Wir kuschelten also beim Abendessen am kleinen Wohnwagenwohnzimmertisch und ließen uns später vom Wind in den Schlaf pfeifen. Vorher allerdings fühlten Markus und ich uns wie im Autokino, die Kinder schliefen, das Auto stand mit Sicht auf die Bucht, wir saßen drin, Glaserl Wein, Nüsschen und Babyphone und sahen dem schmalen, zunehmenden Mond zu, wie er sich durch die Wolken kämpfte.
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