Für mich sollte es schon heute nach Hause gehen, "heim" nach Malmö, die schwedische Stadt, in der ich vor 10 Jahren ein paar wunderbare Monate verbracht hatte.
Die mangels ausreichender Holzbrettchen diesmal etwas eigenwillige Wohnwagen-Aufbock-Konstruktion mit Falk-Atlas wurde wieder abgebaut, nach Warnschreien der neuen Nachbarn kurbelte Markus nach den ersten Metern doch noch den letzten Standfuß ein und schon waren wir wieder unterwegs.
Es war keine lange Strecke mehr bis Södra Sandby, wo wir wieder vor Lenes und Renés Haus stehen und von dort aus Malmö erobern konnten. Die Familie war noch bis spät abends ausgeflogen, sie hatten eine Woche Urlaub auf Gotland gemacht. Das Regenwetter hatte sich inzwischen wieder zu überwiegend Sonnenschein hin verwandelt und ich freute mich sehr auf einen Bummel durch Västra Hamnen, das Viertel in Malmö, das damals brandneu als Wohngebiet erschlossen war und seitdem weiter gewachsen ist. Wahrzeichen ist der Turning Torso, ein von Santiago Calatrava entworfener in sich gedrehter weißer Turm, 190 m hoch, der weithin, sogar schon von Kopenhagen aus, sichtbar ist. Als ich damals nur einen Steinwurf vom Turning Torso entfernt mit Blick darauf wohnte, war er grad mitten im Bau und ich sah ihn über die Monate allmählich wachsen.
Wir parkten ganz in der Nähe und spazierten dann am Turm vorbei, zu "meinem"alten Haus, und ums Eck ans Meer. Dort, mit fantastischem Blick über den Öresund und die gleichnamige Brücke nach Kopenhagen, spazierten wir die schöne, in Holz gehaltene Uferpromenade entlang, auf der sich überall die Leute in der Sonne niedergelassen hatten. Ich hatte es damals richtig gut getroffen!
Es war ein tolles Gefühl, zurück zu sein und einfach unglaublich schön, dies als Familie zu tun. Davon habe ich in der Lebensphase, in der ich mich vor 10 Jahren befand, geträumt, aber daß es tatsächlich so kommen würde hatte ich nicht so richtig geglaubt.
Wir bummelten bis zum Ribersborg Strand, die Kinder inklusive Markus hatten viel Spaß dabei, auf den blau angemalten Schiffsankern (oder was auch immer diese Teile darstellen) herum zu turnen. Zurück schlängelten wir uns durch die Gässchen hinter der Uferpromenade, durchs Wohngebiet zwischen Meer und Turm. Markus jagte im mittlerweile hier vorhandenen Riesensupermarkt einen Imbiß, während ich mit Blick auf mein Appartment Ferdi auf einer Parkbank stillte und Luzi an einem flachen Wasserlauf spielte.
Anschließend ließen wir den hippen Stadtteil hinter uns und versuchten es mit zentrumsnaher Parkplatzsuche. Mit Erfolg! Für umme konnten wir ums Eck vom Stor Torget, dem großen Platz, stehen.
Wir waren von René schon vorgewarnt worden, an diesem Wochenende startete das Malmö Festival und in der Stadt war der Teufel los. Am Stor Torget brachte soeben ein schwedischer Popjüngling die Teenies zum Kreischen, der Platz war gestopft voll. Wir stellten uns für ein, zwei Songs in die Menge und kämpften uns anschließend im bühnenfernen Bereich durch zum Lilla Torget, dem kleinen Platz. Hier wurde es gleich etwas ruhiger, die Leute saßen in den zahlreichen Restaurants bzw. überwiegend draußen in der Sonne. In einem Innenhof der hübschen alten Backstein Fachwerkhäuser fand eine moderne Romeo-und-Julia Aufführung statt, der wir eine kleine Weile zusahen, bevor wir uns ins Getümmel der Fußgängerzone wagten. Bald war klar, daß dies mit Kinderwagen und Kleinkind an der Hand kein richtiger Spaß ist, dazu war das Gedränge einfach zu groß. Wir versuchten noch, unser Abendessen auf dem Festival zu erbeuten, unterlagen allerdings den meterlangen Schlangen anderer Hungriger und beschlossen schließlich, auf dem Heimweg dem Pizzeria-Geheimtipp des Navis in Lund zu folgen. Der Geheimtipp lag tatsächlich so geheim, daß keine anderen Gäste dorthin gefunden hatten und zum dort essen lud der Laden nicht wirklich ein. Luzi musste natürlich genau da dringend pieseln, was ihr und Markus im dortigen Keller ein eigenartiges Kloerlebnis bescherte. Erst wurden sie von einem der Pizzeriajungs noch auf Deutsch in die Klobenutzung eingewiesen, daß allerdings aus dem Waschbeckenhahn kein Tropfen Wasser fließen würde, davon war nicht die Rede gewesen. Doof ist das vor allem, wenn die Hände schon eingeseift sind, bevor man dieses kleine Detail bemerkt.
Wir entschieden einstimmig auf Pizzen to go!
Nach dem Essen verfrachteten wir die Kinder ins Bett und Markus sich selbst gleich mit, so daß schließlich ich alleine bei Kerzenlicht (es gab noch keine für uns erreichbare Steckdose) und Rotwein auf die Gotlandheimkehrer wartete. Gegen 23:30h rollte ein vollbepackter Peugeot an, heraus krabbelte nach und nach die fünfköpfige Familie in recht unterschiedlichen Wachheitszuständen. Zusammen packten wir noch gefühlte 100 Taschen und Tüten aus diesem Raumwunderauto und rein ins Haus, die Kinder verschwanden im Bett bzw. beim Junior wurde dabei nachgeholfen und dann saßen wir noch bei nem Willi auf dem Sofa und ratschten bis 2h morgens. Resultat: nach Gotland möchte ich auch mal!!!
Mittwoch, 21. August 2013
Tag 27: Höganäs - Malmö
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Schööööne Bilder, genieß die Zeit in Malmö und die Erinnerungen - und Ferdis ersten Geburtstag - ich schicke auf diesem Weg herzliche Glückwünsche!
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