Sonntag, 25. August 2013

Tag 31: Allerlei Mücken in Leipzig

Der morgendliche Berufsverkehr auf unserer Übernachtungsstrasse war stärker als wir erwartet hatten. Zum frühstücken war es uns da zu busy und wir suchten nach dem Inselsee, der sich gestern schon in einer Ecke des Navis gezeigt hatte. Hinter einer Reihe von Bootshäusern stellten wir uns hin, kochten erst mal Kaffee und nahmen dann auch feste Nahrung zu uns.
Auch hier war deutlich mehr Betrieb, als wir es für diese nach meinen Gesetzen nachtschlafende Zeit angenommen hatten. Stichwort "Rüstige Rentner". Kaum hatten wir uns häuslich niedergelassen, tauchte schon ein Klischee Norddeutscher wie aus dem Bilderbuch auf, mit blauer Kapitänsmütze, weißem Bart und dem entsprechenden Dialekt. Er bat uns, noch ein Stückchen vor zu fahren, da sie mit einem langen Bootsanhänger aus einem Seegrundstück rausrangieren mussten. Als bestens mit den Tücken knapp bemessener Wendemöglichkeiten Vertraute hatten wir natürlich größtes Verständnis. Auch sonst kruschelten hier und dort die Leute bereits geschäftigst herum.
Gestärkt suchten wir die Altstadt Güstrows auf und parkten nahe am enorm beeindruckenden Schloß. 
Da hatten wir uns ein hübsches Städtchen auserkoren! Auch der Streifzug durch die Altstadt lohnte sich, wir sahen uns den Dom an, Gotik in Backstein, lauschte einem Nachbarschaftsstreit ("Sie stehen hier seit Wochen ohne Parkschein. Und sowas nennt sich Fachanwalt für Verkehrsrecht"), entdeckten, schon auf dem Rückweg, eine nette Bäckerei, in der wir uns Semmeln und ein paar Stückchen Kuchen für die nächste Brotzeit mitnahmen. Luzia, sonst so gut zu Fuß, schaffte einmal mehr die letzten Meter zum Auto nur mit viel Überredungskunst, doch endlich saß wieder jeder wo er hingehörte und es hieß Abfahrt Richtung Leipzig, unserem Tagesetappenziel.
Hier hatten wir uns sogar noch mal einen Campingplatz ausgeguckt, damit wir wenigstens auch mal einen in Deutschland kennen lernten. Die Fahrt war unproblematisch,  Mittagspause fand an einem Autobahnrastplatz statt, wo wir uns ein weit gereistes Sauerkraut mit schwedischen Würsteln warm machten, damit wir es ja nicht wieder mit heim bringen. Zu Kaffee und Kuchen hatten wir schon Quartier bezogen, ein letztes Mal den Tisch aufgebaut, zu Markus' wiederholtem Entzücken die Tischdecke aufgelegt und sahen zu, wie nach und nach weitere Gespanne und Wohnmobile ankamen.
Vorne: Kind duftet bald wieder
Hinten: dufter Wohnwagen
Unsere Nachbarn, ein Stuttgarter Paar, kamen mit einem der sehr flott designten kleineren Wohnwagen an und Markus äußerte, liebend gerne mal in so ein Gefährt hineinschauen zu wollen. Die Beiden räumten noch etwas auf und dann durften wir unsere Näschen hineinstecken. Klasse gemacht, auch in diesem Miniwagerl gab es im Heck ein großzügiges Doppelbett, umbaubar zu Sitzecke mit Esstisch. Vorne Küchenzeile und ein Kleiderschrank, nur auf ein Bad muß hier verzichtet werden.
Ich war hundemüde und verhandelte mit meinem Mann erfolgreich eine Auszeit. Während er mit den Kindern den Platz erkundete, legte ich mich eine Runde aufs Ohr, herrlich war das.
Der Verhandlungshaken: das Geschirr spülen vor dem Essen mußte ich erledigen, und als ich gerade begann, mich in einer weiteren Campingplatzküche zurechtzufinden, da sah ich die ersten dieser fiesen Blutsauger gierig auf den Küchenfliesen sitzen: Mücken!!!
Erst wenn wieder welche da sind, man dies unverkennbare Summen kaum mehr aus dem Ohr bekommt und anfängt, genervt um sich zu schlagen, dann weiß man, was einem die letzten Wochen so überhaupt nicht gefehlt hat. Bis auf einzelne Exemplare mal auf der Wanderung in Tiveden kann ich mich an keine Mückensichtung erinnern. Hier hielten wir gerade so bis zum Ende des Abendessens durch. Markus hatte Autan aufgelegt, das aber die gegenteilige von der beworbenen Wirkung zu entfalten schien und sogar Ferdinand stand heute auf der Speisekarte der Moskitodamen.
Als wir uns hinein verzogen fiel mir dann auch auf, daß sich außer uns kaum jemand draußen aufhielt...gute Nacht Leipzig!

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