Freitag, 9. August 2013

Tag 19: Stockholm

Ich fand unseren Campingplatz völlig in Ordnung, auch nicht schlechter als viele andere und sogar heimeliger als den "Luxusplatz" in Kolmården. Es regnete heute und sah diesmal auch nicht nach baldiger Besserung aus. Also rein in die Regenjacken, die nach der gestrigen Aktion noch nicht merklich getrocknet waren. Den Igitt-Faktor reduzierten wir ein wenig durch Bearbeitung mit dem Fön, der Rest wurde tagsüber trocken getragen.
In etwa 10 Minuten kann man vom Platz aus zum Bahnhof laufen und von da fährt alle Nase lang ein Zug in 20 Min. in Stockholms Innenstadt. Auf einer Hinweistafel im Zug entdeckte ich mein neues schwedisches Lieblingswort: "Nödbromsen". Wem die Bedeutung nicht klar ist, der kann sich gerne bei mir melden.
Mats hatte uns noch mit ein paar Tipps versorgt und so stiegen wir heute an der Haltestelle Slussen aus, um von dort aus erst mal Södermalm zu erobern. Wir spazierten in westliche Richtung möglichst nah am Wasser entlang, was beim dort vorherrschenden Kopfsteinpflaster, Steigungen, Kinderwagen und einer Luzia, die gehfaul war und auf dem Mitfahrbrett stehen wollte, keine einfache Prozedur war. Wir erreichten aber den sehr hübschen kleinen Pfad, der auf einer Anhöhe unterhalb der letzten Häuser und oberhalb des Wassers verlief und spazierten diesen eine Weile entlang. Man hatte trotz des nach wie vor bedeckten Wetters einen schönen Blick über die Stadt, vor allem Kungsholmen mit dem dunkelroten Stadshuset und weiter westlich konnte ich sogar das auf einem Floß ins Wasser ragende Restaurant entdecken, in das uns meine damalige schwedische Kollegin Caroline ausgeführt hatte. Wir gingen in einem Bogen zurück zum Ausgangspunkt und überquerten die Brücke hinüber nach Gamla Stan, der Altstadt. Dies war ein Markus und mir schon bekannter Stadtteil und wir stromerten einfach wieder durch die Gässchen, machten auf dem Platz zwischen Schloß und Reichstag, der schon wieder auf der nächsten Insel liegt, Mittagspause und zeigten Luzi dann, wo ein echter König, eine Königin und - zumindest bis vor einer Weile - Prinzessinnen wohnen. Da machte sie doch einigermaßen große Augen. Der königlichen Wache in blauer Uniform umd mit Gewehr stand sie eher skeptisch gegenüber. Wir drehten eine Runde ums Schloß und in den Schloßhof hinein und da flüsterte Luzi, als immer noch keine Spur von einer Prinzessin zu sehen war, mir zu: "Mama, wir müssen leise sein, vielleicht schläft die Prinzessin noch." Ja klar, mitten am Nachmittag, ein Leben haben diese Blaublütigen!!!

Da wohnen König und Königin
Etwas später war im Schaufenster einer Konditorei ein Foto von Prinzessin Victoria und ihrem Mann zu sehen. Ich zeigte Luzia die Prinzessin, erntete aber wenig Begeisterung. Victoria hatte das falsche Kleid gewählt, für Luzi ist eine Prinzessin dann eine Prinzessin, wenn sie ein gelbes Kleid trägt. Der Maßstab ist die Belle aus Disneys "Die Schöne und das Biest".
Gerade als wir auf einem italienisch anmutenden Platz in Gamla Stan eine freie Bank gefunden hatten, fing es zu regnen an und wir spazierten doch lieber weiter, am Stadshuset vorbei und rüber nach Norrmalm in die Drottninggatan, eine der Fußgängerzonen.
Sehr weit kamen wir nicht, denn während der Inspektion eines Systembolaget, so heißen die staatlichen Geschäfte, in denen alle alkoholischen Getränke bis auf leichteres Bier, das es auch im Supermarkt gibt, verkauft werden, meldete sich mal wieder Luzis Blase und wir stürmten das nahe Espresso House. Das war auch gleich unser Kaffee und Kuchen bzw..Muffin Stop. Außerdem gab es ein starkes WLAN,  das mir grad recht kam, hatte ich doch morgens mal wieder den Kampf gegen mein Handy verloren. Das spinnt total, meldet schon kurze Zeit nach der Rücksetzung auf Werkseinstellungen daß der interne Speicher voll ist, nach und nach werden die Anwendungen instabiler bis irgendwann nix mehr geht und das Spiel von vorne beginnt. Ich installierte also bequem ein paar Apps, Luzia schlief währenddessen auf Markus Schoß ein und Ferdi bekam ne warme Milch. Als wir schließlich von Sonnenstrahlen auf der Straße geblendet wurden packten wir Luzi in den Kinderwagen, Ferdinand wurde die Pole Position auf Papas Schultern zugewiesen und los gings in einen sonnig warmen wunderschönen Stockholm Nachmittag.  Lange blieben wir nicht mehr in Norrmalm, ich wollte nur noch durch eines der älteren Kaufhäuser, NK, bummeln, anschließend gingen wir Richtung Oper zurück zum Wasser und dann immer nach Osten am Ufer entlang. Herrlich war es, blauer Himmel, ein paar weiße Wolken, unzählige Boote im Hafen und unterwegs zwischen den Inseln der Stadt. Die Leute saßen im Freien in Bars, zum Teil lief Musik, man wollte (und Luzi und ich taten es auch) am liebsten lostanzen.
Über Blasieholmen und die Skeppsholmsbron gings auf die Insel Skeppsholmen. Auch die war uns schon gut bekannt, mit Caroline hatten wir sie damals bei einem Spaziergang umrundet und neben dem Skulpturengarten mit Weken u.a. von Niki de St-Phalle sind mir die vielen zum Teil urgemütlich eingerichteten, oft mit Blumen bepflanzten Boote in Erinnerung geblieben.
Wir liefen bis kurz hinter ein fest hier vor Amker liegendes stattliches Segelschiff, das jetzt als Partyschiff genutzt wird. Die ersten Gäste des Abends tummelten sich bereits mit einem kühlen Bierchen auf Deck und weitere strömten hinein. Wir setzten uns ein paar Meter weiter auf eine Bank und genossen eine Weile lang den Blick auf diese schöne Stadt.
Viele Fotos später ging es auf dem gleichen Weg zurück zur nächsten Tunnelbana (klingt leichter als es war, denn ich hab erst mal die Schilder für Straßen- und U-Bahn verwechselt und da steht man schon da wie doof, wenn man überzeugt ist, da müsse nun aber eine U-Bahn) Station sein und da is nix...).
Fix noch gegrillt und dann fielen vier stadtmüde Camper ins Bett.   

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