Freitag, 2. August 2013

Tag 12: Tiveden Nationalpark

Wandern war heute der Plan, hinein in einen schwedischen Urwald, den Tiveden Nationalpark, sollte es gehen. Wie immer verging einige Zeit, bis Mann und Maus durch die Morgentoilette geschleust und alle nebst notwendigem Gepäck im Auto verstaut waren.
Nun gibt es hier nicht gerade unübersichtlich viele Straßen,  dennoch war es gar nicht so einfach, diejenige zu erwischen, die uns ins Herz des Nationalparks und zum Besucherzentrum führte. Zunächst strandeten wir an einem sehr hübschen See mit Sandstrand (Vitstrand), das war allerdings zu diesem Zeitpunkt nicht, wonach wir suchten.
Schließlich am Besucherzentrum angekommem (wie fast immer muss man lediglich der Beschilderung folgen und nicht nur dem Navi vertrauen) beriet uns die Deutsche, die dieses betreute, hinsichtlich der geeignetsten Tour für Luzia. Außerdem konnten wir eine liebevoll gestaltete Ausstellung zu den hier lebenden Pflanzen und Tieren sowie der historischen Holzkohleherstellung ansehen.
Unsere Tour hiess "Stenkälla" und war mit insgesamt 3 km eine der kurzen Runden, bot uns aber etwa am Scheitelpunkt die Möglichkeit,  um eine Schlaufe nach - genau, Vitstrand - zu verlängern. Luzia war super zu Fuß heute und marschierte jeden Schritt der gesamten Tour selber. Ich war verdammt stolz auf meine kleine Große!
Wie gestern führte der Weg durch Schwarz- und Preiselbeer Unterholz, Kiefern-, Birken und auch Fichtenwald. Weniger blühende Erika als gestern, dafür heute gewaltige Felsbrocken, die vor hunderten von Jahren von Gletschern hierhergetragen worden waren. Zum Teil waren diese Riesenbrocken sehr abenteuerlich übereinander gestapelt und nicht immer war ersichtlich,  warum sie nicht einfach weiterkullern. Es ging nicht nur über Felsen, sondern gelegentlich balancierte man auf  schmalen Holzstege über moorige Stellen oder kleine, durch den Wald mäandernde Bäche.
Luzia kommentierte auch heute jeden zungenfreien Baumstamm und kam außerdem einige Male auf die Trollgeschichte mit den drei Ziegenböcken zu sprechen, die ich ihr am Montag im Krankenhaus vorgelesen hatte (simultan oder eher spontan, zuweilen kreativ aus dem Schwedischen übersetzt). Da sind die ersten beiden kleineren Böcke,  die die vom Troll bewachte Brücke überqueren wollen, recht schlau und verweisen auf den jeweils nächsten,  viel lohnender weil  fetteren Bock und kommen so ungeschoren hinüber.  Der Dritte hat schließlich ordentliche Hörner und kann sich so des Trills erwehren, der am Ende der Gelackmeierte bleibt.
Am Strand unter Kiefern machten wir eine lange Pause, sahen planschenden Kindern und Hunden zu und Markus machte mit Luzi auch ein paar Schritte ins Wasser. Mitten im See lagen ein paar Felsen verlockend in der Sonne und auch eine baumbewachsene Insel gab es.
Auf dem Rückweg fanden wir durch Zufall den Weg am oder oft eher über dem See entlang, so daß man sich ganz gut konzentrieren mußte,  den Blick von den immer wieder anders schönen Ausblicken aufs Wasser auch mal loszureißen und auf den von Wurzeln durchzogenen Weg zu lenken. Luzi merkte man ein wenig die Ermüdung an, sie stolperte immer häufiger und ich nahm sie fast den ganzen Rückweg an die Hand. Mit kleinen Blaubeerstärkungen und Markus-als-Troll Auftritten verlief der Marsch kurzweilig und sie schaffte es alleine bis zum Parkplatz zurück. Wow, also ich war auch einigermaßen müde muss ich sagen!
Abends ob des bevorstehenden Hungertodes (der nächste Supermarkt ist 25 km entfernt und der Kühlschrank hat allmählich freie Kapazitäten) warf Markus ein letztes Mal den Grill an und sogar die zu Hause verachteten und bis nach Schweden mitgereisten Tofuwürstel fanden heute dankbare Abnehmer. Also, falls wir ab heute nichts mehr von uns hören lassen, dann sind wir verhungert ;).

1 Kommentar:


  1. verwunschene Urwälder, Luzia als begeisterter Outdoor-Spezialist, azurblaue Seen und Blaubär-Proviant: merke mir, Stenkälla-Tour unbedingt
    nachmachen ! hört und sieht sich gut an!

    der U.aus K.

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