Sonntag, 25. August 2013

Tag 31: Leipzig, ein Geburtstag - und abends wiada dahoam!

Zum Geburtstag viel Glück, zum Geburtstag viel Glück, zum Geburtstag lieber Ferdinand, zum Geburtstag viel Glück!


Noch im Bett begann mit diesem Ständchen der letzte Tag "on the road", der erste Geburtstag unseres kleinen Mannes. Kurz nach 8h tauchten die ersten Erinnerungen an vor einem Jahr auf, als mir die Ärzte zu meiner großen Überraschung eröffneten, dass Ferdinand heute geboren werden sollte. In zwei Stunden. Und ich, nachdem ich mich von dem Schreck einigermaßen erholt hatte, Markus zu Hause anrief, der schon Urlaub hatte, und ihm sagte, er solle sich erst mal hinsetzen.
Und dann der Kaiserschnitt und seine Geburt um 10:46h, die ich mir so ganz anders vorgestellt hatte...
Und heute haben wir da einen putzmunteren kleinen Kerl, der die 8 Wochen, die er zu früh auf die Welt geholt werden musste, nach und nach prima aufgeholt hat. Ein Riesenglück ist das und ich bin sehr, sehr dankbar dafür!

Auch auf diesem Platz wie vorher schon einmal in Göteborg gönnten wir uns zur Feier des Tages das angebotene Frühstücksbuffett. Ferdinand schwelgte in Fruchtjoghurt und bekam auch mal ein Stückerl von Papas Frühstücksei, Luzi bekam ihre geliebte heiße Schokolade und Markus und ich fanden auch mehr als genug für einen guten Start in den weiteren Tag.
Zusammengepackt hatten wir dann schnell, räumten den Stellplatz und parkten dann den Wohnwagen vormittags noch auf einem Parkplatz innerhalb des Campingplatzes, denn wir wollten noch ein paar Stunden durch Leipzig schlendern.
Für ein richtiges Sightseeing reichte die Zeit nicht aus, aber für einen Spaziergang in der Innenstadt, einen Bummel durch ein paar Geschäfte, das Pritscheln an einem Brunnen und für einen Urlaubs-Abschieds-Eisbecher vor der schönen alten Börse passte es genau.




Um ein Haar wären wir dann noch Peer Steinbrück direkt in die Arme gelaufen, der gerade auf Wahlkampfeinsatz war bzw. sich für diesen stärkte, wir trafen ihn nämlich mit Bratwurst in der Hand an. Als kurz darauf Luzi an einem Laden mit Holzspielzeug mit einer Pinocchio-Figur posierte, konnte ich mir ein Grinsen ob der Kombination aus Wahlkampf und langer Nase nicht verkneifen.





















Ich erstand ganz zum Schluß noch einen neuen Charm-Anhänger für mein Armband. Mir war aufgefallen, dass ich für Ferdinand noch nichts dranhängen hatte, und nun baumelt ein hübsches, schlichtes, silbernes "F" neben Luzias "L".
Beide Kinder schliefen auf der Rückfahrt zum Campingplatz ein, wir schafften das Andock- und Abfahrmanöver mit ebenso schlafenden Kindern und hatten nun bis auf den einen oder anderen Rastplatz für Pinkelpausen nur noch ein Ziel: Zankenhausen!
Es klappte alles wie geplant und gegen 21:30h schloss sich der Kreis, Markus lenkte unser Gespann elegant und ohne Korrekturen rückwärts wieder in unseren Hof. Flo skypte gerade mit Claudi in Norwegen, wir beteiligten uns lustig vom Hof aus an dem Gespräch. Ansonsten sahen wir nur zu, daß der Wohnwagen sicher steht auf unserer abschüssigen Einfahrt, holten das Nötigste heraus, packten die Kinder ins Bett und genehmigten uns noch einen Absacker auf diesen wunderschönen Urlaub.

Tag 31: Allerlei Mücken in Leipzig

Der morgendliche Berufsverkehr auf unserer Übernachtungsstrasse war stärker als wir erwartet hatten. Zum frühstücken war es uns da zu busy und wir suchten nach dem Inselsee, der sich gestern schon in einer Ecke des Navis gezeigt hatte. Hinter einer Reihe von Bootshäusern stellten wir uns hin, kochten erst mal Kaffee und nahmen dann auch feste Nahrung zu uns.
Auch hier war deutlich mehr Betrieb, als wir es für diese nach meinen Gesetzen nachtschlafende Zeit angenommen hatten. Stichwort "Rüstige Rentner". Kaum hatten wir uns häuslich niedergelassen, tauchte schon ein Klischee Norddeutscher wie aus dem Bilderbuch auf, mit blauer Kapitänsmütze, weißem Bart und dem entsprechenden Dialekt. Er bat uns, noch ein Stückchen vor zu fahren, da sie mit einem langen Bootsanhänger aus einem Seegrundstück rausrangieren mussten. Als bestens mit den Tücken knapp bemessener Wendemöglichkeiten Vertraute hatten wir natürlich größtes Verständnis. Auch sonst kruschelten hier und dort die Leute bereits geschäftigst herum.
Gestärkt suchten wir die Altstadt Güstrows auf und parkten nahe am enorm beeindruckenden Schloß. 
Da hatten wir uns ein hübsches Städtchen auserkoren! Auch der Streifzug durch die Altstadt lohnte sich, wir sahen uns den Dom an, Gotik in Backstein, lauschte einem Nachbarschaftsstreit ("Sie stehen hier seit Wochen ohne Parkschein. Und sowas nennt sich Fachanwalt für Verkehrsrecht"), entdeckten, schon auf dem Rückweg, eine nette Bäckerei, in der wir uns Semmeln und ein paar Stückchen Kuchen für die nächste Brotzeit mitnahmen. Luzia, sonst so gut zu Fuß, schaffte einmal mehr die letzten Meter zum Auto nur mit viel Überredungskunst, doch endlich saß wieder jeder wo er hingehörte und es hieß Abfahrt Richtung Leipzig, unserem Tagesetappenziel.
Hier hatten wir uns sogar noch mal einen Campingplatz ausgeguckt, damit wir wenigstens auch mal einen in Deutschland kennen lernten. Die Fahrt war unproblematisch,  Mittagspause fand an einem Autobahnrastplatz statt, wo wir uns ein weit gereistes Sauerkraut mit schwedischen Würsteln warm machten, damit wir es ja nicht wieder mit heim bringen. Zu Kaffee und Kuchen hatten wir schon Quartier bezogen, ein letztes Mal den Tisch aufgebaut, zu Markus' wiederholtem Entzücken die Tischdecke aufgelegt und sahen zu, wie nach und nach weitere Gespanne und Wohnmobile ankamen.
Vorne: Kind duftet bald wieder
Hinten: dufter Wohnwagen
Unsere Nachbarn, ein Stuttgarter Paar, kamen mit einem der sehr flott designten kleineren Wohnwagen an und Markus äußerte, liebend gerne mal in so ein Gefährt hineinschauen zu wollen. Die Beiden räumten noch etwas auf und dann durften wir unsere Näschen hineinstecken. Klasse gemacht, auch in diesem Miniwagerl gab es im Heck ein großzügiges Doppelbett, umbaubar zu Sitzecke mit Esstisch. Vorne Küchenzeile und ein Kleiderschrank, nur auf ein Bad muß hier verzichtet werden.
Ich war hundemüde und verhandelte mit meinem Mann erfolgreich eine Auszeit. Während er mit den Kindern den Platz erkundete, legte ich mich eine Runde aufs Ohr, herrlich war das.
Der Verhandlungshaken: das Geschirr spülen vor dem Essen mußte ich erledigen, und als ich gerade begann, mich in einer weiteren Campingplatzküche zurechtzufinden, da sah ich die ersten dieser fiesen Blutsauger gierig auf den Küchenfliesen sitzen: Mücken!!!
Erst wenn wieder welche da sind, man dies unverkennbare Summen kaum mehr aus dem Ohr bekommt und anfängt, genervt um sich zu schlagen, dann weiß man, was einem die letzten Wochen so überhaupt nicht gefehlt hat. Bis auf einzelne Exemplare mal auf der Wanderung in Tiveden kann ich mich an keine Mückensichtung erinnern. Hier hielten wir gerade so bis zum Ende des Abendessens durch. Markus hatte Autan aufgelegt, das aber die gegenteilige von der beworbenen Wirkung zu entfalten schien und sogar Ferdinand stand heute auf der Speisekarte der Moskitodamen.
Als wir uns hinein verzogen fiel mir dann auch auf, daß sich außer uns kaum jemand draußen aufhielt...gute Nacht Leipzig!

Samstag, 24. August 2013

Tag 30: Malmö - Güstrow

Ich hätte um ein Haar verschlafen! Um ziemlich genau 8h sah ich das erste Mal auf die Uhr, halb 9h wollte René mit Didrik los. Also flott aus dem Bett gehüpft und noch im Schlafanzug rüber ins Haus zu einem letzten kleinen Ratsch marschiert.
Wir verabschiedeten uns, die beiden Jungs düsten zur Vorschule bzw. in die Arbeit und wir frühstückten erst einmal. Durch die neue Planung mit dem Schiff hatten wir genug Zeit, wir mussten um 14h in Trelleborg zum einchecken sein und die Fahrt dorthin dauert kaum eine Stunde.
Noch in Södra Sandby erledigten wir den letzten schwedischen Supermarkteinkauf, füllten vorhandene Lücken in den Schränken mit Knäckebrot, Schokolade und noch einigen anderen Leckerlichkeiten und traten die letzten Kilometer auf schwedischem Boden an, übrigens wieder bei strahlendem Sonnenschein!
Warten im Fährhafen von Trelleborg
Wir waren am Fährhafen die ersten, die für die Fähre "Huckleberry Finn" eincheckten. Im Grunde hätten wir das Gelände nochmal für gut eine Stunde verlassen können, wir entschieden uns dann aber, die Mittagspause im Wohnwagen zu verbringen. Das war entspannter, als nochmal alle Sachen zusammenzupacken und viel von der Stadt hätten wir eh nicht mehr gesehen. 
Die Südschwedische Küstenlinie verschwindet allmählich
 







Kurz nach 14h begann das Boarding und wir parkten nicht etwa im Bauch der Fähre, sondern oben auf Deck 5 unter freiem Himmel. Zwei Decks höher lag unsere Kabine, in der wir die wichtigsten Sachen für die nächsten Stunden verstauten, bevor wir wieder nach draußen gingen, um das Ablegemanöver zu beobachten...bye bye Schweden, ich komme ganz sicher wieder!!!






















Die kommende Stunde über war Luzi einigermaßen unerträglich. Draußen war es zu kalt, drinnen passte es auch nicht. Schließlich verzog ich mich mit den Kindern in die Kabine, schickte Luzi ins Bett und legte mich selber mit Ferdinand auch hin. Luzia schlief dann tatsächlich recht lange, sie war einfach platt gewesen. Markus löste mich nach einer Weile ab und ich setzte mich draußen auf Deck, mit Blick auf Dänemark, das in einiger Entfernung an uns vorüberzog, schrieb ein bissl, döste ein bissl und genoß die Ruhe.



Gegen 20h setzten wir uns ins Restaurant und holten uns nochmal Köttbullar zum Abschluß, Ferdinand tauchte begeistert im Bällebad umher und eh wir uns versahen waren wir fast schon in Rostock.





Vor lauter Zusammenpacken und knatschige Tochter anziehen verpassten wir den ersten Teil der Hafeneinfahrt. Zunächst fuhren wir im Hafen quasi durch Warnemünde und am dortigen Kreuzfahrtschiffhafen vorbei, in dem gerade die Celebrity Eclipse vor Anker lag. Ein Riesending von Luxusliner, sehr beeindruckend anzusehen in der Abenddämmerung.

Bei (fast) Vollmond steuerte unsere Fähre dann ihren Anlegeplatz an und kaum war sie vertäut hieß es auch schon, die Autodecks seien offen. Also rein in die Kabine, alle Sachen zusammengerafft und ab zum Auto. Kurze Zeit später durften wir von Bord fahren und erinnerten uns ganz plötzlich, dass wir ja noch gar keinen Schlafplatz für die Nacht hatten. Auf der Fahrt nach Trelleborg hatte ich noch ein paar Rostocker Campingplätze rausgesucht aber vergessen, dort auch noch anzurufen. Jetzt war es schon nach 21:30h und natürlich keine Rezeption mehr besetzt. Anstatt auf gut Glück noch einige Kilometer in die falsche Richtung zu fahren, um dann vor verschlossener Türe zu stehen, gaben wir dem Navi den Befehl "nach Hause" und hielten die Augen einfach mal offen nach Campingplätzen oder sonstigen geeigneten Übernachtungsmöglichkeiten. Schließlich landeten wir in Güstrow, einem Städtchen nahe an der A19, fanden nach etwas Hin- und Herfahren eine ideale Parkbucht in einer Wohngegend und stellten uns kurzentschlossen dort hin zum Übernachten. Das zweite Mal wild Campen fand also wieder in Deutschland statt, nicht im Wildcamperparadies Schweden.

Donnerstag, 22. August 2013

Tag 29: Malmö

Die Sonne begrüßte uns nochmals an unserem letzten Tag in Malmö. Ich wurde allmählich von Aktivitäten vor dem Wohnwagen wach. Meine Familie war schon auf den Beinen, Luzia trabte mit Didrik um die Autos im Hof herum und Markus mit Ferdinand auf dem Arm sah dem Treiben belustigt zu.
Lene war noch da, sie begleitete etwas später Didrik zu seinem ersten Vorschultag, während wir uns an den schon gedeckten Frühstückstisch setzten. Bis wir tatsächlich Richtung Stadt rollten, dauerte es noch eine Weile. Gegen Mittag suchten wir einen möglichst zentrumsnahen Parkplatz und zogen zunächst auch das Einkaufszentrum gegenüber des Medeon Science Parkes, meinem damaligen Arbeitsort, in Erwägung.  Dort steht allerdings nur noch das Gebäude,  in dem damals unsere Büros und einige Labors waren. Der Trakt in dem sich der Magnet befand und in dem die klinischen Studien durchgeführt wurden, existiert nicht mehr. Komisches Gefühl irgendwie.
Wir fuhren doch noch ein Stück zentrumsnaher und parkten hinter der schönen Bibliothek. Zunächst galt es dann, eine oberzickige Luzia zu beruhigen. Ein Mini-Picknick im Kungsparken an dem Teich, der nachts farbig beleuchtet und in wabernden Nebel getaucht wird, mit Schokokeksen, einem Kaninchen und einer Entenmama mit Kleinen zauberte dann doch wieder ein Lächeln auf Luzis Gesicht. Wir konnten also weitergehen Richtung Stadtzentrum. Es war nach wie vor Festival, doch untertags konnte man sich halbwegs normal fortbewegen. Gestern hatten wir bei Lene und René etwas Pfiffiges gesehen, das wir nun in der Stadt jagen wollten. Ich hülle mich hier deshalb in geheimnisvolles Schweigen, weil wir mit diesem Teil beim nächsten Lagerfeuer Eindruck schinden wollen. Falls wir es jemals bekommen, denn in den uns empfohlenen Läden hatten wir leider keinen Erfolg. Dafür konnte ich im Geschäft namens "Cool Stuff" nicht widerstehen und mußte für meinen lieben Exmann ein Mitbringsel erwerben.
Peter, falls Du mitliest: Finger weg von jedwedem neuen Geek-Stuff bis ich Dir das Teil habe zukommen lassen, klar?
Bei meinem inzwischen etwas shoppingmüden Mann konnte ich anschließend gerade noch den Besuch zweier meiner damaligen Lieblingsläden durchsetzen. Panduro, ein super sortierter Bastelladen und Granit, schlichter und schöner Einrichtungskram. Mit ein paar Kleinigkeiten kam ich wieder raus und wir beendeten unsere Stadtrunde. Markus schien Zweifel daran zu haben, daß wir wirklich das gleiche Ziel hatten oder er misstraute meiner Orientierung, jedenfalls wandte er den Blick nicht von seinem Navi. Welch Glück, daß Malmö heutzutage nicht mehr zu Dänemark gehört ... da wäre er aufgeschmissen gewesen, irgendwie war ja das Nachbarland nicht im Navi geladen, was bei der Durchreise schon zu leichten Angstzuständen geführt hatte. Plötzlich hatte ich richtig Lust, noch durch Kopenhagen zu bummeln...
Wir kamen natürlich ohne Umwege beim Parkplatz an und steuerten unser nächstes Ziel.an, ein Shoppingcenter. Ja, kein Witz! Und Markus war freiwillig dabei, Ehrenwort!
Es war ja auch nicht irgendein Shoppingcenter,  sondern Emporia, 2012 eröffnet,  riesengroß, schon alleine durch seine Architektur bestechend und darüber hinaus mit einer Gartendachterrasse, die einen Rundblick über den Öresund von der Brücke bis zum Turning Torso bietet.
Ach ja, Geschäfte gibt es auch...ein bisserl musste ich noch stöbern, wir brauchten schließlich auch noch ein paar Mitbringsel. Die Zeit verging wie im Fluge und da wir abends nochmals bekocht werden sollten, lag uns schon daran, pünktlich zu Hause zu sein.
Es wurde ein weiterer leckerer und unterhaltsamer Abend, dafür sorgten schon alleine Luzi und Didrik. Ein Highlight war, als sie zusammen Fußball spielten, der wendige und geschickte Bengel und die schlaksige Luzi, die dauerkichernd seine Pässe erwartete und dann doch oft verfehlte. Als René Didrik dann noch ein Geschenk für Luzi gab, das sie aus Holland für sie mitgebracht hatten (3 Packerl mit verschiedenen Schokostreuseln, na Bravo!) war sie endgültig verzückt.
Sie setzte sich heute in einem Anfall von Mut sogar zu den anderen drei Kindern an deren eigenen Tisch.
Später am Abend, als wir einen Schwung etwas überdrehter Kinder ins Bett verfrachtet hatten, kam die Frage auf, welchen Weg wir am nächsten Tag zurück nach Deutschland fahren wollten. Im Laufe der Diskussion hörte sich Renés Vorschlag, die Fähre von Trelleborg nach Rostock zu nehmen, immer besser an. Er recherchierte das gleich für uns und fand ein preislich sehr faires Angebot, das auch nicht teurer war als Brückenmaut und Spritkosten für die längere Strecke über Dänemark. Wir buchten, gönnten uns gleich noch eine Kabine dazu, die mit 42 EUR für die 6-stündige Überfahrt auch völlig in Ordnung war und fingen an, uns aufs Schifferl fahren zu freuen.
Von Lene verabschiedeten wir uns schon am Abend, sie würde frühmorgens wieder ihren Dienst im Krankenhaus als Neonatologin antreten. René wollte etwas später in die Arbeit fahren, ihn würden wir morgens noch sehen.
Puhhh, so allmählich realisieren wir, daß der Urlaub sich dem Ende neigt!

Tag 28: Malmö

Sonntag. Vor genau 4 Wochen sind wir in Zankenhausen los gefahren. Wenn ich mir in Erinnerung rufe, was wir alles gemacht und gesehen haben, dann füllt das locker 4 Wochen. Auf der anderen Seite verging die Zeit wie im Fluge, 4 Wochen können sich sehr viel länger anfühlen, wenn ich da an letzten Sommer denke...
Ausgeschlafen war ich heute nicht. Ich bekam schließlich mit, daß draußen schon Lebenszeichen zu hören waren, Markus und Luzi hatten bereits unsere Koje verlassen. René lehnte von außen an unserem Eßzimmerfenster und ratschte mit Markus. Ganz gemütlich machten wir uns alle zum Frühstück auf der Veranda fertig und saßen dort eine ganze Weile. Luzi war glücklich, wieder die holländischen Schokostreusel auf ihrem Brot zu haben und verteilte diese natürlich großzügig um ihren Platz herum. Der Plan für den Tag wurde beschlossen, eine kleine Wanderung im Skrylle Naturpark nahe Södra Sandby mit BBQ. Wettertechnisch sah es nicht ganz so gut aus wie gestern, es zog allmählich zu und die ersten Regentropfen fielen. Also mal wieder die Regenklamotten eingepackt, dann gings los. Nach nur ein paar Minuten Fahrt waren wir schon da und kurz darauf bewegte sich die 9-köpfige Karawane in den Wald hinein. Olivia, die älteste 13-jährige Tochter von Lene und René, war zu Hause geblieben, was bei der jüngeren Hedvig (bald 10) für eine mittelschwere Krise sorgte. Sie wollte auch daheim bleiben, durfte dies aber nicht und bot eine exzellente "bockiges Mädchen" Show. Irgendwann kriegte sie sich dann doch wieder ein und hatte spätestens beim Herumklettern in einem Bach genau so viel Spaß wie Luzia und Didrik, der 6-Jährige und Jüngste.
Mit den beiden Mädels kam diesmal während ds gesamten Besuches nicht so ein enger Kontakt zustande wie die letzten Male, was zum Teil wohl auch daran lag, daß es ihnen noch unangenehm ist, sich in einer Fremdsprache zu verständigen. Mit Didrik ist das noch völlig unkompliziert, Sprache braucht es nicht, es wird einfach losgealbert und gespielt. Für Luzi war Didrik eh bald das Idol, ihm folgte sie auf Schritt und Tritt. Bog er in einen anderen Weg ab als alle anderen, konnte man sicher sein, daß sie ihm folgen würde und nicht uns. Ich freute mich zu sehen, wie schnell sie auch zu René Vertrauen fasste und wie selbstverständlich seine Hand nahm, wenn weder ich noch Markus grad neben ihr gingen. Sie plapperte auch wieder ununterbrochen ihr eigenes Schwedisch, herrlich!
Wir wanderten durch Wald, über Lichtungen, an moosbewachsenen Natursteinmauern entlang, über kleine Brücken und an dicht mit blühenden Seerosen bewachsenen Teichen vorbei. Überall wuchsen leckere Brombeeren, die unbedingt geerntet werden wollten. Wir ließen uns nicht zweimal bitten!
Verstreut in diesem Naturpark liegen etliche Grillplätze, die man zum Teil auch buchen kann bzw sollte. Die Größeren verfügen dann sogar über überdachte Sitzplätze.
René hatte für unser Mittagessen einen etwas geschützt unter Bäumen an einem Bach liegenden Platz auserkoren, der auch frei war. Prompt fing es zu regnen an, aber schließlich konnte Feuer gemacht werden und bald brutzelten die Würstel auf dem Rost. Die Kinder kletterten derweil am bzw. bald eher im Bach umeinander, Luzi steuerte jede Menge imaginäre geangelte Fische fürs Essen bei, aber als die ersten Hot Dogs servierfertig waren, kamen sie doch kurz mal zum essen vorbei. Der Regen hatte aufgehört, dass wir trotzdem ab und an eine Dusche anbekamen lag an den Bäumen über uns, die bei leichten Windstößen ihre nasse Last auf uns abschüttelten.
Kaum hatten wir alles wieder zusammengepackt, fing der Regen wieder an, hielt sich aber in Grenzen, so daß wir auch auf dem Rest des etwa 3 km langen mit Ameisenschildchen markierten Rundweges nicht wirklich nass wurden.
Zum Abschluß schauten wir noch ins Besucherzentrum des Parkes. Schon aussen war es sehr liebevoll gestaltet, aus Holz geschnitzte Tiere wie Wildschweine und Frischlinge, Füchse und Rehe standen auf der Wiese davor, Tafeln mit Fährten und Hinterlassenschaften verschiedenster Waldbewohner luden zum Raten ein und Kinder konnten durch einen hölzernen Dachsbau kriechen.
Es machte sich Kaffeedurst bemerkbar, also traten wir den Heimweg an wo zusammen mit Luzi auch noch die zahlreichen Spielsachen getestet werden mußten. Sie wußte kaum, wohin sie zuerst schauen sollte. Abends war es dann der Fernseher, der sie magisch anzog und zwar so stark, daß sie sich sogar ganz ohne initiale Begleitung durch uns alleine zu den größeren Kindern ins Wohnzimmer setzte, um Tinkerbell zu sehen. Diese Filme werden wohl eine unserer nächsten Anschaffungen.
Am Abend bekochte René uns lecker, wir leerten eine Flasche Rotwein und der Willi fand nach einer allgemeinen Kinder-ins-Bett-Verfrachtaktion auch noch Zuspruch.
Am nächsten Tag würde für die Kinder in Schweden die Schule wieder beginnen, Didrik startete in die Vorschule und René mußte nach 5 Wochen Urlaub auch wieder arbeiten. Allzu spät wurde es also heute nicht.

Mittwoch, 21. August 2013

Tag 27: Höganäs - Malmö

Für mich sollte es schon heute  nach Hause gehen, "heim" nach Malmö, die schwedische Stadt, in der ich vor 10 Jahren ein paar wunderbare Monate verbracht hatte.
Die mangels ausreichender Holzbrettchen diesmal etwas eigenwillige Wohnwagen-Aufbock-Konstruktion mit Falk-Atlas wurde wieder abgebaut, nach Warnschreien der neuen Nachbarn kurbelte Markus nach den ersten Metern doch noch den letzten Standfuß ein und schon waren wir wieder unterwegs.
Es war keine lange Strecke mehr bis Södra Sandby, wo wir wieder vor Lenes und Renés Haus stehen und von dort aus Malmö erobern konnten. Die Familie war noch bis spät abends ausgeflogen, sie hatten eine Woche Urlaub auf Gotland gemacht. Das Regenwetter hatte sich inzwischen wieder zu überwiegend Sonnenschein hin verwandelt und ich freute mich sehr auf einen Bummel durch Västra Hamnen, das Viertel in Malmö, das damals brandneu als Wohngebiet erschlossen war und seitdem weiter gewachsen ist. Wahrzeichen ist der Turning Torso, ein von Santiago Calatrava entworfener in sich gedrehter weißer Turm, 190 m hoch, der weithin, sogar schon von Kopenhagen aus, sichtbar ist. Als ich damals nur einen Steinwurf vom Turning Torso entfernt mit Blick darauf wohnte, war er grad mitten im Bau und ich sah ihn über die Monate allmählich wachsen.
Wir parkten ganz in der Nähe und spazierten dann am Turm vorbei, zu "meinem"alten Haus, und ums Eck ans Meer. Dort, mit fantastischem Blick über den Öresund und die gleichnamige Brücke nach  Kopenhagen, spazierten wir die schöne, in Holz gehaltene Uferpromenade entlang, auf der sich überall die Leute in der Sonne niedergelassen hatten. Ich hatte es damals richtig gut getroffen!
Es war ein tolles Gefühl, zurück zu sein und einfach unglaublich schön, dies als Familie zu tun. Davon habe ich in der Lebensphase, in der ich mich vor 10 Jahren befand, geträumt, aber daß es tatsächlich so kommen würde hatte ich nicht so richtig geglaubt.
Wir bummelten bis zum Ribersborg Strand, die Kinder inklusive Markus hatten viel Spaß dabei, auf den blau angemalten Schiffsankern (oder was auch immer diese Teile darstellen) herum zu turnen. Zurück schlängelten wir uns durch die Gässchen hinter der Uferpromenade, durchs Wohngebiet zwischen Meer und Turm. Markus jagte im mittlerweile hier vorhandenen Riesensupermarkt einen Imbiß, während ich mit Blick auf mein Appartment Ferdi auf einer Parkbank stillte und Luzi an einem flachen Wasserlauf spielte.
Anschließend ließen wir den hippen Stadtteil hinter uns und versuchten es mit zentrumsnaher Parkplatzsuche. Mit Erfolg! Für umme konnten wir ums Eck vom Stor Torget, dem großen Platz, stehen.
Wir waren von René schon vorgewarnt worden, an diesem Wochenende startete das Malmö Festival und in der Stadt war der Teufel los. Am Stor Torget brachte soeben ein schwedischer Popjüngling die Teenies zum Kreischen, der Platz war gestopft voll. Wir stellten uns für ein, zwei Songs in die Menge und kämpften uns anschließend im bühnenfernen Bereich durch zum Lilla Torget, dem kleinen Platz. Hier wurde es gleich etwas ruhiger, die Leute saßen in den zahlreichen Restaurants bzw. überwiegend draußen in der Sonne. In einem Innenhof der hübschen alten Backstein Fachwerkhäuser fand eine moderne Romeo-und-Julia Aufführung statt, der wir eine kleine Weile zusahen, bevor wir uns ins Getümmel der Fußgängerzone wagten. Bald war klar, daß dies mit Kinderwagen und Kleinkind an der Hand kein richtiger Spaß ist, dazu war das Gedränge einfach zu groß.  Wir versuchten noch, unser Abendessen auf dem Festival zu erbeuten, unterlagen allerdings den meterlangen Schlangen anderer Hungriger und beschlossen schließlich, auf dem Heimweg dem Pizzeria-Geheimtipp des Navis in Lund zu folgen. Der Geheimtipp lag tatsächlich so geheim, daß keine anderen Gäste dorthin gefunden hatten und zum dort essen lud der Laden nicht wirklich ein. Luzi musste natürlich genau da dringend pieseln, was ihr und Markus im dortigen Keller ein eigenartiges Kloerlebnis bescherte. Erst wurden sie von einem der Pizzeriajungs noch auf Deutsch in die Klobenutzung eingewiesen, daß allerdings aus dem Waschbeckenhahn kein Tropfen Wasser fließen würde,  davon war nicht die Rede gewesen. Doof ist das vor allem, wenn die Hände schon eingeseift sind, bevor man dieses kleine Detail bemerkt.
Wir entschieden einstimmig auf Pizzen to go!
Nach dem Essen verfrachteten wir die Kinder ins Bett und Markus sich selbst gleich mit, so daß schließlich ich alleine bei Kerzenlicht (es gab noch keine für uns erreichbare Steckdose) und Rotwein auf die Gotlandheimkehrer wartete. Gegen 23:30h rollte ein vollbepackter Peugeot an, heraus krabbelte nach und nach die fünfköpfige Familie in recht unterschiedlichen Wachheitszuständen. Zusammen packten wir noch gefühlte 100 Taschen und Tüten aus diesem Raumwunderauto und rein ins Haus, die Kinder verschwanden im Bett bzw. beim Junior wurde dabei nachgeholfen und dann saßen wir noch bei nem Willi auf dem Sofa und ratschten bis 2h morgens. Resultat: nach Gotland möchte ich auch mal!!!

Tag 26: Kullaberg light

Markus und ich hatten unsere verbleibenden Urlaubstage (wo zum Geier sind die eigentlich alle hin???) nochmal durchgerechnet und waren zu dem Schluß gekommen, daß wir unserer Nachbarin eine weitere Sorgenfalte bereiten und eine dritte Nacht hier bleiben wollten. Wir konnten uns also noch eine zweite Tour am Kullaberg vornehmen, wollten diesmal aber mit dem Auto hinfahren und dann vom einem Parkplatz losmarschieren.
Vorher stand für Markus noch eine harte Prüfung an: Iittala Outlet hieß das Schreckenswort. Letztlich war es dann er, der eine Pfanne erstand, während ich den teils wunderschönen Porzellansachen widerstand, da selbst die Outletpreise noch schmerzhaft hoch waren. Einen Mittagsimbiß nahmen wir nochmal am Campingplaz ein und fanden bei unserer Rückkehr den gut unterm Wohnwagen versteckten Müllbeutel in sämtliche Einzelteile zerlegt im Umkreis von 10 m wieder. Ferdis Stinkewindel war immerhin nach wie vor kompakt zusammengewickelt.
Es regnete heute immer wieder einmal und die Tour von gestern steckte uns schon noch in den Knochen, aber wenn man schon mal an solch einem schönen Ort ist, dann möchte man doch so viele Eindrücke wie möglich mitnehmen. Mich reizte die Wanderung zu einem Werk des Künstlers Lars Vilks, der Anfang der 80iger Jahre ohne Genehmigung des Landeigners aus Schwemmholz ein Turmobjekt unterhalb der Klippen am nordöstlichen Ufer des Kullaberges errichtet hat. Das Teil ist bis zu 12 m hoch und wird in den Parkführern nicht offiziell als Sehenswürdigkeit genannt, zieht aber zahlreiche Besucher an. Inzwischen wurde der Weg dorthin in ähnlicher Weise markiert wie andere Pfade auf dem Berg. Es gilt einem gelben N für "Nimis" (= zu viel, so der Name des Objektes) zu folgen.
Natürlich fanden wir zunächst nicht einmal den Weg zum nächstgelegenen Parkplatz und waren schon schwer versucht, doch zurück zum Wohnwagen zu fahren und ins Bett zu fallen. Dann rafften wir uns aber doch auf, fanden den Platz, ließen uns auch nicht von Luzias Trotzanfall irritieren, der uns allerdings noch eine Weile in Parkplatznähe festhielt und machten uns auf die Suche nach Nimis.
Ein erstes "N" war schnell gefunden, dann länger nichts. Kaum hatten wir einen alten Grabring aus Felsbrocken hinter uns gelassen und waren einen steilen Abhang hinuntergeturnt in einen wirklich sehr schönen, lichten Laubwald mit lediglich Grasbewuchs am Boden, sonst keinen anderen Pflanzen, dämmerte uns, daß das nicht der richtige Weg sein konnte. Wir gingen genau in Richtung Südküste. Also alle Mann wieder raufgekraxelt und im Grabring erst mal Google befragt. Tatsächlich hatte sich jemand die Mühe gemacht und eine Karte der Umgebung erstellt plus Beschreibung der Route. Die Karte lud nicht, aber die Beschreibung reichte aus, uns auf den richtigen Weg zu bringen. Warum wir es trotzdem nicht bis zu Nimis schafften, lag ausnahmsweise nicht an mangelnder Orientierung. Es war dann das regnerische Wetter, das den steilen Abstiegauf dem vielleicht letzten Drittel des Weges zu  gefährlich machte mit Luzi an der Hand und Ferdi auf dem Rücken.  Die Steine waren rutschig und die Erde dazwischen sorgte auch nicht gerade für festen Halt. Wir hatten zwar andere Wanderer mit teils atemberaubend spärlichem Schuhwerk gesehen (Stichwort lila Ballerinas) und die kamen sogar wohlbehalten wieder zurück,  dennoch war es uns zu riskant. Mit einer motzigen Luzi, die zwar auch vor der Kehrtwende schon nicht mehr laufen konnte bzw. wollte, nun aber plötzlich doch fit genug zum weiter gehen war und den Rückweg verweigerte, kletterten wir wieder hoch, guckten uns noch die hübschen Island Pferde an, die dort auf einer Weide standen, und kamen kurz darauf wieder am Auto an. Mit noch fix erbeuteten Grillwürsteln gings zum Campingplatz zurück, genau dann fing es an zu regnen. Das hielt uns vom Grillen nicht ab, gegessen wurde halt drinnen. Und von da beobachteten wir nicht ohne Belustigung, wie ein neues Gespann einen Stellplatz suchte und sich parallel zu uns, also ebenso falsch, hinstellte. Auch nach unserer Abreise würde die Ordnung auf diesem Platz also noch nicht wieder hergestellt sein.